Phosphor: Fluch und Segen eines Elements
von Peter Clausing Der europäische Phosphorzyklus könnte vollständig geschlossen werden, wenn die importierten chemischen Phosphatdünger komplett gegen biologische und recyclte chemische Phosphordünger ersetzt würden. Damit stiege die Wasserqualität in Europa und viele andere Probleme wären gelöst. Doch um das zu erreichen, müsste das Diktat der »Marktkräfte« überwunden werden. Phosphor ist ein lebensnotwendiges chemisches Element. Sowohl im menschlichen Körper als auch in Pflanzen beträgt sein Anteil zwar nur zirka ein Prozent. Ohne Phosphor gäbe es aber kein Leben in seiner jetzigen Form. Er ist Baustein der Erbinformation DNS, von Proteinen und Enzymen. Die Freisetzung und Speicherung von Energie in den Zellen von Tieren und Pflanzen erfolgt unter obligatorischer Beteiligung von Phosphor. Im Pflanzenbau ist Phosphor unverzichtbar und kann durch nichts ersetzt werden. Daraus folgt, dass eine Landwirtschaft, die nicht auf geschlossenen Kreisläufen basiert, letztlich auf Phosphorzufuhr von außen angewiesen ist. Nach Verarbeitung des Rohphosphats wird der Phosphor in pflanzenverfügbarer Form in den Boden eingebracht, zumeist als Diphosphat, das wenig wasserlöslich ist,...
Lesezeit: 9 MinutenPrivate Stiftungen – Speerspitze der globalen Agrarkonzerne?
Von Peter Clausing Die „neuen Philanthropen“, wie sich die Milliardäre des 21. Jahrhunderts nennen, schaffen mit ihren Stiftungen unter Umgehung demokratischer Entscheidungsprozesse die Voraussetzungen für die Ausdehnung der Märkte transnationaler Konzerne. Verbrämt durch einen Diskurs der Armutsbekämpfung, fördern sie die Entstehung einer neuen agrarischen Mittelschicht im subsaharischen Afrika, die ausreichend zahlungskräftig ist, um sich die Segnungen einer neuen Grünen Revolution leisten zu können. Mangel an Demokratie ist eine wesentliche Voraussetzung dafür. Zwar behauptet die Grüne Revolution 2.0, dass sie die afrikanischen KleinbäuerInnen aus der Armutsfalle ziehen wolle, doch gerade diese profitieren nicht davon! Die eigentlichen Nutznießer des neuen landwirtschaftlichen Booms sind – wie Untersuchungen in Kenia und Sambia zeigen – reiche Städter, in der Mehrzahl Regierungsangestellte, die sich in die Landwirtschaft einkaufen. Das erste Anzeichen für eine neue „Grüne Revolution“ gab es 1997, als Gordon Conway, der kurz darauf zum Präsidenten der Rockefeller-Stiftung ernannt wurde, sein Buch „The Doubly Green Revolution: Food for All in the Twenty-first Century”, veröffentlichte (1)....
Lesezeit: 14 MinutenEin Landwirtschaftsmodell zur Versorgung der Welt
Von Devinder Sharma | 24.Januar 2010 In zehn Jahren, im Jahr 2020, können die indische Landwirtschaft und gleichermaßen die Landwirtschaft der ganzen Welt in ein gesundes und lebensfähiges System verwandelt sein, in dem die Selbstmorde der Bauern der Geschichte angehören, in dem Elend und Verzweiflung durch Stolz am Anbauen ersetzt worden sind, wo Landwirtschaft wahrhaft langfristig und nachhaltig geworden ist und keine Wärme der globalen Umwelt hinzufügt. Mit dem Beginn von 2010 wird das Drehbuch für eine künftige Landwirtschaft geschrieben, das das Lächeln auf dem Antlitz des Bauern zurückbringt, ohne Wunden in der Umwelt zu hinterlassen. Was mit einer kleinen Initiative vor sechs Jahren in einem unbekannten Dorf im Khamam-Distrikt begann, hat sich jetzt über 800 000 ha in 21 Distrikten von Andhra Pradesh verbreitet. Ich erinnere mich an das erste Gespräch über das Wunder, das durch das Dorf Pannukula in Andhra Pradesh zustandegebracht wurde, und von dem viele glaubten, ich wolle einfach versuchen, die Landwirtschaft zu romantisieren. Wie Landwirtschaft...
Lesezeit: 4 MinutenReale Alternativen
Erschienen in „junge Welt“ vom 18.11.2009 Peter Clausing Hintergrund. Wider das agroindustrielle Doping – eine andere Landwirtschaft ist möglich. Überlegungen anläßlich des diesjährigen Welternährungsgipfels Noch bis zum heutigen Mittwoch findet in Rom der Welternährungsgipfel statt. Der nach 1996 und 2002 dritte Gipfel weist in mehrfacher Hinsicht Besonderheiten auf. Nie zuvor waren Machtkonzentration und Verflechtung von Agrar- und Biotechnologiekonzernen, lebensmittelverarbeitender Industrie und Handelsketten so groß. Doch auch die Sackgasse, in die diese Entwicklung führt, war noch nie so deutlich erkennbar. So wächst vor dem Hintergrund der globalen kapitalistischen Krise und einer steigenden Zahl hungernder Menschen die Notwendigkeit, einen Ausweg aus dieser Situation zu finden. Internationale Bewegungen wie Via Campesina, die solche Alternativen einfordern und praktizieren, finden zunehmend Gehör. Nationale Initiativen wie die brasilianische Bewegung der Landlosen (MST in portugiesischer Abkürzung) sind auf der Basis jahrelanger Kampferfahrung fest etabliert und können beachtliche Erfolge vorweisen.1 Den ganzen Beitrag lesen
Lesezeit: 9 MinutenDavid gegen Goliath?
Zwei unvereinbare Perspektiven zur Zukunft der Welternährung Spätestens seit den »Brotrevolten« von 2007 und 2008, mit denen die Menschen in rund 40 Ländern auf die Explosion der Lebensmittelpreise reagierten, ist die Ernährungskrise ein bleibendes Thema in den Medien und in der offiziellen Politik. Dabei ist die Krise eher ein gigantischer Skandal, denn den alljährlich neun Millionen Hungertoten und mehr als einer Milliarde chronisch Hungernder steht eine Nahrungsmittelmenge gegenüber, die genügen würde, um alle Menschen ausreichend zu versorgen. Folglich mangelt es in erster Linie an einem »globalen« politischen Willen, ein Mangel, der zum Beispiel in der Tolerierung und vielfach sogar Förderung der Flächenkonkurrenz zwischen Agrotreibstoff- und Nahrungsmittelproduktion zum Ausdruck kommt. Doch das Thema Welternährung steht nicht nur aufgrund von Preisexplosionen und Hungerprotesten auf der Tagesordnung. Unterschiedliche Modellrechnungen prognostizieren bei einer globalen Zunahme der Durchschnittstemperatur von etwa drei Grad Celsius regionale Ernteeinbußen zwischen 20 und 50 Prozent, je nachdem, ob man die Ernteausfälle infolge von Überflutungen und Dürreperioden mit einrechnet oder den...
Lesezeit: 6 Minuten