Zur Fehlbewertung von Glyphosat durch Behörden und Industrie
Am 2.März 2016 wurde gegen das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), die in Parma, Italien, ansässige Europäische Lebensmittelbehörde (EFSA) und gegen die belgische Niederlassung von Monsanto, von der im Namen der „Glyphosate Task Force“ die Wiedergenehmigung des Pestizidwirkstoffs Glyphosat beantragt wurde, Strafanzeige erstattet. In einem Anhang zu dieser Anzeige wurde die fachliche Begründung für die in der Strafanzeige geäußerte Anschuldigung geliefert, dass Behörden und Industrie mit falschen Angaben versuchen, die Wiedergenehmigung von Glyphosat zu erreichen, obwohl dieses von der Krebsagentur der Weltgesundheitsorganisation (IARC) als „wahrscheinlich krebserregend beim Menschen“ eingestuft wurde.
Lesezeit: < 1 MinuteProfitables Ackergift
von Peter Clausing Das Verhältnis zwischen agrochemischer Industrie, landwirtschaftlichen Produzenten und Verbrauchern wirft nicht nur ein Schlaglicht auf den Zustand unserer Landwirtschaft, sondern auch auf den unserer Demokratie. Das lässt sich anhand des Streits um die weitere Genehmigung des Wirkstoffs Glyphosat, auch Bestandteil des Breitband-Unkrautvernichtungsmittels »Roundup«, zeigen, von dem bereits vor fünf Jahren bei einem Jahresumsatz von knapp 4 Milliarden US-Dollar etwa 610.000 Tonnen weltweit eingesetzt wurden. Eigentlich liegt es auf der Hand: Ökologischer Landbau ist klimafreundlicher und umweltverträglicher als die konventionelle Landwirtschaft. Eventuelle Mindererträge durch eine Umstellung auf ökologischen Landbau sind – je nach Kultur und Anbauverhältnissen – entweder überschaubar oder gar nicht vorhanden.1 Allerdings ist der Arbeitsaufwand im ökologischen Landbau in der Regel höher, was die Produktion verteuert. Doch angesichts von landwirtschaftlicher Überproduktion, Niedrigpreisen für konventionell produzierte Lebensmittel und der Tatsache, dass rund ein Drittel davon im Müll landet, fragt man sich, warum unsere Landwirtschaft nicht schon längst komplett auf Ökolandbau umgestellt wurde. Der macht derzeit statt dessen...
Lesezeit: 8 MinutenGlyphosat-Krebsstudien an Mäusen – Argumente der EU-Behörde ohne Grundlage
Von Peter Clausing Am 12. November veröffentlichte die Europäische Agentur für Lebensmittelsicherheit (EFSA) ihre Schlussfolgerung zur Bewertung des Herbizidwirkstoffs Glyphosat, der von der WHO-Agentur für Krebsforschung (IARC) als „wahrscheinlich krebserregend beim Menschen“ eingestuft wurde, was eine weitere Genehmigung dieses Wirkstoffs in Europa mit größter Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen hätte, wenn die EFSA sich dieser wissenschaftlich fundierten Bewertung angeschlossen hätte – hat sie aber nicht. Anfang Dezember 2015 wurde der entscheidende Teil der EFSA-Schlussfolgerungen, jene zu den Krebsstudien an Labormäusen, einer kritische Analyse unterzogen. Zu diesem 10-seitigen englischsprachigen Dokument gibt es jetzt die nachstehende deutsche Zusammenfassung. In allen fünf validen Krebsstudien an Mäusen wurde bei Anwendung des von der OECD empfohlenen Cochran-Armitage-Trend Tests eine signifikante Erhöhung der Tumorrate bei einem oder mehreren Tumortypen festgestellt, womit das Kriterium „ausreichende Nachweise beim Tier“, der CLP-Verordnung (1272/2008, Annex I; 3.6.2.2.3) erfüllt ist. Die EFSA bestreitet dies mit folgenden Argumenten: Fehlende statistische Signifikanz bei Anwendung paarweiser Vergleiche Diese Behauptung entbehrt der Grundlage. Die OECD empfiehlt seit 2012...
Lesezeit: 2 MinutenDie Glyphosat-Kontroverse
Zum Streit um die Wiederzulassung des Pflanzengiftes in der EU nach der WHO-Warnung vor Krebsgefahr Von Peter Clausing Anfang August teilte die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (European Food Security Authority, EFSA) mit, man werde sich mehr Zeit als geplant für eine Empfehlung zur Neuzulassung des Unkrautvernichters Glyphosat lassen. Die Einschätzung der Experten werde nicht, wie ursprünglich vorgesehen, am 13. August abgegeben, sondern erst Ende Oktober oder Anfang November, sagte ein Efsa-Sprecher am 5. August am Sitz der Behörde im italienischen Parma. Pestizidwirkstoffe unterliegen in der Europäischen Union alle zehn Jahre einem Wiederzulassungsverfahren, bei dem alle neu hinzugekommenen Erkenntnisse über mögliche Risiken für Gesundheit und Umwelt zu berücksichtigen sind. Diese Regelung ist ein Erfolg des jahrzehntelangen Kampfes von Umweltorganisationen. Sie hat aber nur bedingt zu einer Reduzierung des Einsatzes von Giften in der Landwirtschaft beigetragen, die gegen Pflanzen (Herbizide), Schädlinge (Insektizide) oder Pilze (Fungizide) wirken. Die Terminverschiebung bei der EFSA ist ein Indiz dafür, dass hinter den Kulissen heftige Debatten stattfinden....
Lesezeit: 4 MinutenLöst Glyphosat Krebs aus? – Wichtige Lücke in Risikobewertung deutscher Behörde
Hamburg und München, 15.04.2015. Eine aktuelle Recherche des Pestizid Aktions-Netzwerks (PAN Germany) deckt eine wichtige Lücke bei der Risikobewertung von Glyphosat durch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) auf. Demnach gibt es derzeit mindestens zehn Studien, die zeigen, dass Glyphosat in Zellen sogenannten „oxidativen Stress“ auslöst, der auch zur Krebsentstehung führen kann. Diesen Wirkungsmechanismus hat das BfR jedoch außer Acht gelassen. Dieses Versäumnis könnte ein Grund dafür sein, dass das BfR, anders als ein internationales Gremium der Weltgesundheitsorganisation (WHO), zu dem Schluss kommt, dass Glyphosat nicht krebserregend ist. Der Toxikologe Dr. Peter Clausing, der für das Pestizid Aktions-Netzwerk e. V. (PAN Germany) die vorliegenden Studien bewertet hatte, kritisiert: „Das BfR geht nur auf zwei Publikationen zum Thema oxidativer Stress ein, allerdings nicht im Zusammenhang mit einer möglichen Krebsentstehung. Mindestens acht weitere Untersuchungen aus den Jahren 2005 bis 2013, die über die Erzeugung von oxidativem Stress durch Glyphosat an Wirbeltieren wie Fischen, Kaulquappen, Mäusen und Ratten berichten, fanden überhaupt keine Erwähnung. Befunde...
Lesezeit: 2 MinutenFranzösische Wissenschaftler widerstehen Monsanto
Genmais: nicht koscher Französische Wissenschaftler widerstehen Monsanto. Ihre Studie wies bei Ratten Gesundheitsschäden durch Verzehr einer manipulierten Sorte nach. Sie wird seither vergeblich als unseriös diffamiert Von Peter Clausing Vor knapp einem Jahr, am 19. September 2012, veröffentlichte Professor Gilles-Eric Séralini von der Universität Caen, Nordfrankreich, zusammen mit sieben weiteren Autoren in der Fachzeitschrift Food and Chemical Toxicology die Ergebnisse einer Langzeitstudie. Dabei wurden krebserregende Wirkungen und andere Gesundheitsschäden an Ratten nachgewiesen, nachdem diese 24 Monate lang mit gentechnisch verändertem NK603-Mais gefüttert wurden. Die Publikation schlug ein wie eine Bombe, denn sie stellt die laxe Risikobewertung für gentechnisch modifizierte (GM) Pflanzen, wie sie bislang von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) und anderswo praktiziert wird, in Frage. Eine Verschärfung der Prüfvorschriften würde die Zulassung von GM-Sorten deutlich erschweren und das Zulassungsverfahren für sie generell verlängern und verteuern. Außerdem müßten auch bereits zugelassene, positiv getestete Sorten vom Markt genommen und aufwendig neu bewertet werden. Genau dies forderten im vergangenen Jahr französische...
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