Zur Fehl­be­wer­tung von Gly­pho­sat durch Behör­den und Indus­trie

Beitrag vom 02.03.2016

Am 2.März 2016 wur­de gegen das Bun­des­in­sti­tut für Risi­ko­be­wer­tung (BfR), die in Par­ma, Ita­li­en, ansäs­si­ge Euro­päi­sche Lebens­mit­tel­be­hör­de (EFSA) und gegen die bel­gi­sche Nie­der­las­sung von Mons­an­to, von der im Namen der „Gly­pho­sa­te Task Force“ die Wie­der­ge­neh­mi­gung des Pes­ti­zid­wirk­stoffs Gly­pho­sat bean­tragt wur­de, Straf­an­zei­ge erstat­tet. In einem Anhang zu die­ser Anzei­ge wur­de die fach­li­che Begrün­dung für die in der Straf­an­zei­ge geäu­ßer­te Anschul­di­gung gelie­fert, dass Behör­den und Indus­trie mit fal­schen Anga­ben ver­su­chen, die Wie­der­ge­neh­mi­gung von Gly­pho­sat zu errei­chen, obwohl die­ses von der Krebs­agen­tur der Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­ti­on (IARC) als „wahr­schein­lich krebs­er­re­gend beim Men­schen“ ein­ge­stuft wur­de.

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Pro­fi­ta­bles Acker­gift

Beitrag vom 23.01.2016

von Peter Claus­ing Das Ver­hält­nis zwi­schen agro­che­mi­scher Indus­trie, land­wirt­schaft­li­chen Pro­du­zen­ten und Ver­brau­chern wirft nicht nur ein Schlag­licht auf den Zustand unse­rer Land­wirt­schaft, son­dern auch auf den unse­rer Demo­kra­tie. Das lässt sich anhand des Streits um die wei­te­re Geneh­mi­gung des Wirk­stoffs Gly­pho­sat, auch Bestand­teil des Breit­band-Unkraut­ver­nich­tungs­mit­tels »Roun­dup«, zei­gen, von dem bereits vor fünf Jah­ren bei einem Jah­res­um­satz von knapp 4 Mil­li­ar­den US-Dol­lar etwa 610.000 Ton­nen welt­weit ein­ge­setzt wur­den. Eigent­lich liegt es auf der Hand: Öko­lo­gi­scher Land­bau ist kli­ma­freund­li­cher und umwelt­ver­träg­li­cher als die kon­ven­tio­nel­le Land­wirt­schaft. Even­tu­el­le Min­der­erträ­ge durch eine Umstel­lung auf öko­lo­gi­schen Land­bau sind – je nach Kul­tur und Anbau­ver­hält­nis­sen – ent­we­der über­schau­bar oder gar nicht vorhanden.1 Aller­dings ist der Arbeits­auf­wand im öko­lo­gi­schen Land­bau in der Regel höher, was die Pro­duk­ti­on ver­teu­ert. Doch ange­sichts von land­wirt­schaft­li­cher Über­pro­duk­ti­on, Nied­rig­prei­sen für kon­ven­tio­nell pro­du­zier­te Lebens­mit­tel und der Tat­sa­che, dass rund ein Drit­tel davon im Müll lan­det, fragt man sich, war­um unse­re Land­wirt­schaft nicht schon längst kom­plett auf Öko­land­bau umge­stellt wur­de. Der macht der­zeit statt des­sen...

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Gly­pho­sat-Krebs­stu­di­en an Mäu­sen – Argu­men­te der EU-Behör­de ohne Grund­la­ge

Beitrag vom 16.12.2015

Von Peter Claus­ing Am 12. Novem­ber ver­öf­fent­lich­te die Euro­päi­sche Agen­tur für Lebens­mit­tel­si­cher­heit (EFSA) ihre Schluss­fol­ge­rung zur Bewer­tung des Her­bi­zid­wirk­stoffs Gly­pho­sat, der von der WHO-Agen­tur für Krebs­for­schung (IARC) als „wahr­schein­lich krebs­er­re­gend beim Men­schen“ ein­ge­stuft wur­de, was eine wei­te­re Geneh­mi­gung die­ses Wirk­stoffs in Euro­pa mit größ­ter Wahr­schein­lich­keit aus­ge­schlos­sen hät­te, wenn die EFSA sich die­ser wis­sen­schaft­lich fun­dier­ten Bewer­tung ange­schlos­sen hät­te – hat sie aber nicht. Anfang Dezem­ber 2015 wur­de der ent­schei­den­de Teil der EFSA-Schluss­fol­ge­run­gen, jene zu den Krebs­stu­di­en an Labor­mäu­sen, einer kri­ti­sche Ana­ly­se unter­zo­gen. Zu die­sem 10-sei­ti­gen eng­lisch­spra­chi­gen Doku­ment gibt es jetzt die nach­ste­hen­de deut­sche Zusam­men­fas­sung. In allen fünf vali­den Krebs­stu­di­en an Mäu­sen wur­de bei Anwen­dung des von der OECD emp­foh­le­nen Cochran-Armi­ta­ge-Trend Tests eine signi­fi­kan­te Erhö­hung der Tumor­ra­te bei einem oder meh­re­ren Tumor­ty­pen fest­ge­stellt, womit das Kri­te­ri­um „aus­rei­chen­de Nach­wei­se beim Tier“, der CLP-Ver­ord­nung (1272/2008, Annex I; 3.6.2.2.3) erfüllt ist. Die EFSA bestrei­tet dies mit fol­gen­den Argu­men­ten: Feh­len­de sta­tis­ti­sche Signi­fi­kanz bei Anwen­dung paar­wei­ser Ver­glei­che Die­se Behaup­tung ent­behrt der Grund­la­ge. Die OECD emp­fiehlt seit 2012...

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Die Gly­pho­sat-Kon­tro­ver­se

Beitrag vom 19.8.2015

Zum Streit um die Wie­der­zu­las­sung des Pflan­zen­gif­tes in der EU nach der WHO-War­nung vor Krebs­ge­fahr Von Peter Claus­ing Anfang August teil­te die Euro­päi­sche Behör­de für Lebens­mit­tel­si­cher­heit (Euro­pean Food Secu­ri­ty Aut­ho­ri­ty, EFSA) mit, man wer­de sich mehr Zeit als geplant für eine Emp­feh­lung zur Neu­zu­las­sung des Unkraut­ver­nich­ters Gly­pho­sat las­sen. Die Ein­schät­zung der Exper­ten wer­de nicht, wie ursprüng­lich vor­ge­se­hen, am 13. August abge­ge­ben, son­dern erst Ende Okto­ber oder Anfang Novem­ber, sag­te ein Efsa-Spre­cher am 5. August am Sitz der Behör­de im ita­lie­ni­schen Par­ma. Pes­ti­zid­wirk­stof­fe unter­lie­gen in der Euro­päi­schen Uni­on alle zehn Jah­re einem Wie­der­zu­las­sungs­ver­fah­ren, bei dem alle neu hin­zu­ge­kom­me­nen Erkennt­nis­se über mög­li­che Risi­ken für Gesund­heit und Umwelt zu berück­sich­ti­gen sind. Die­se Rege­lung ist ein Erfolg des jahr­zehn­te­lan­gen Kamp­fes von Umwelt­or­ga­ni­sa­tio­nen. Sie hat aber nur bedingt zu einer Redu­zie­rung des Ein­sat­zes von Gif­ten in der Land­wirt­schaft bei­getra­gen, die gegen Pflan­zen (Her­bi­zi­de), Schäd­lin­ge (Insek­ti­zi­de) oder Pil­ze (Fun­gi­zi­de) wir­ken. Die Ter­min­ver­schie­bung bei der EFSA ist ein Indiz dafür, dass hin­ter den Kulis­sen hef­ti­ge Debat­ten statt­fin­den....

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Löst Gly­pho­sat Krebs aus? – Wich­ti­ge Lücke in Risi­ko­be­wer­tung deut­scher Behör­de

Beitrag vom 15.04.2015

Ham­burg und Mün­chen, 15.04.2015. Eine aktu­el­le Recher­che des Pes­ti­zid Akti­ons-Netz­werks (PAN Ger­ma­ny) deckt eine wich­ti­ge Lücke bei der Risi­ko­be­wer­tung von Gly­pho­sat durch das Bun­des­in­sti­tut für Risi­ko­be­wer­tung (BfR) auf. Dem­nach gibt es der­zeit min­des­tens zehn Stu­di­en, die zei­gen, dass Gly­pho­sat in Zel­len soge­nann­ten „oxi­da­tiv­en Stress“ aus­löst, der auch zur Krebs­ent­ste­hung füh­ren kann. Die­sen Wir­kungs­me­cha­nis­mus hat das BfR jedoch außer Acht gelas­sen. Die­ses Ver­säum­nis könn­te ein Grund dafür sein, dass das BfR, anders als ein inter­na­tio­na­les Gre­mi­um der Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­ti­on (WHO), zu dem Schluss kommt, dass Gly­pho­sat nicht krebs­er­re­gend ist. Der Toxi­ko­lo­ge Dr. Peter Claus­ing, der für das Pes­ti­zid Akti­ons-Netz­werk e. V. (PAN Ger­ma­ny) die vor­lie­gen­den Stu­di­en bewer­tet hat­te, kri­ti­siert: „Das BfR geht nur auf zwei Publi­ka­tio­nen zum The­ma oxi­da­tiv­er Stress ein, aller­dings nicht im Zusam­men­hang mit einer mög­li­chen Krebs­ent­ste­hung. Min­des­tens acht wei­te­re Unter­su­chun­gen aus den Jah­ren 2005 bis 2013, die über die Erzeu­gung von oxi­da­tiv­em Stress durch Gly­pho­sat an Wir­bel­tie­ren wie Fischen, Kaul­quap­pen, Mäu­sen und Rat­ten berich­ten, fan­den über­haupt kei­ne Erwäh­nung. Befun­de...

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Fran­zö­si­sche Wis­sen­schaft­ler wider­ste­hen Mons­an­to

Beitrag vom 7. August 2013

Gen­mais: nicht koscher Fran­zö­si­sche Wis­sen­schaft­ler wider­ste­hen Mons­an­to. Ihre Stu­die wies bei Rat­ten Gesund­heits­schä­den durch Ver­zehr einer mani­pu­lier­ten Sor­te nach. Sie wird seit­her ver­geb­lich als unse­ri­ös dif­fa­miert Von Peter Claus­ing Vor knapp einem Jahr, am 19. Sep­tem­ber 2012, ver­öf­fent­lich­te Pro­fes­sor Gil­les-Eric Séra­li­ni von der Uni­ver­si­tät Caen, Nord­frank­reich, zusam­men mit sie­ben wei­te­ren Autoren in der Fach­zeit­schrift Food and Che­mi­cal Toxi­co­lo­gy die Ergeb­nis­se einer Lang­zeit­stu­die. Dabei wur­den krebs­er­re­gen­de Wir­kun­gen und ande­re Gesund­heits­schä­den an Rat­ten nach­ge­wie­sen, nach­dem die­se 24 Mona­te lang mit gen­tech­nisch ver­än­der­tem NK603-Mais gefüt­tert wur­den. Die Publi­ka­ti­on schlug ein wie eine Bom­be, denn sie stellt die laxe Risi­ko­be­wer­tung für gen­tech­nisch modi­fi­zier­te (GM) Pflan­zen, wie sie bis­lang von der Euro­päi­schen Behör­de für Lebens­mit­tel­si­cher­heit (EFSA) und anders­wo prak­ti­ziert wird, in Fra­ge. Eine Ver­schär­fung der Prüf­vor­schrif­ten wür­de die Zulas­sung von GM-Sor­ten deut­lich erschwe­ren und das Zulas­sungs­ver­fah­ren für sie gene­rell ver­län­gern und ver­teu­ern. Außer­dem müß­ten auch bereits zuge­las­se­ne, posi­tiv getes­te­te Sor­ten vom Markt genom­men und auf­wen­dig neu bewer­tet wer­den. Genau dies for­der­ten im ver­gan­ge­nen Jahr fran­zö­si­sche...

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